Ein Fest am Ufer des Swat

von Nighat Aziz, Projektkoordinatorin der Humanity Care Stiftung in Pakistan

 

Oktober

 

Es war ein seltener Anblick, Deutsche und Pashtunen in der pakistanischen Nationaltracht „shalwar kameez“ tanzen zu sehen. In dem abgelegenen Dorf in der Khyber Region von Pakistan gibt es selten eine Gelegenheit zum Feiern, denn sie leidet immer wieder unter Terrorismus, Armut und Naturkatastrophen.


Vor einem Jahr, im Herbst 2010, kamen wir von der Humanity Care Stiftung das erste Mal in dieses Dorf. Überall sah man weitflächige Zerstörungen durch die Jahrhundertflut. Die Dörfer lebten bereits vor der Katastrophe unterhalb der Armutsgrenze, und jetzt hatte die Flut ihre letzten Habseligkeiten auch noch hinweg gespült. Das hat uns tief erschüttert.


Als ich in die Gesichter dieser betroffenen Menschen sah, dachte ich, daß sie nie wieder Lebensmut bekommen würden. Ihre Ernten, ihre Häuser, ihr Vieh, das gesamte Dorf war hinweggeschwemmt worden. Sie hatten weder die Mittel, sich selbst zu helfen, noch waren Regierungsstellen in der Lage, sie angesichts des Ausmaßes der Katastrophe und der unzähligen Hilferufe zu erreichen.


Dennoch versuchten wir unser Bestes, den Menschen zu helfen, selbst nicht wissend, wo wir beginnen können. So unmöglich erschien uns diese Aufgabe. Aber wir fingen einfach an.


Wir begannen Dörfer auszuwählen, die wir als „unsere Dörfer“ bezeichneten. Wir beschlossen, diese kleinen Dörfer zu „adoptieren“ und unsere Hilfen auf sie zu konzentrieren. Wir wählten sie aus, weil sie am meisten zerstört waren, weit entfernt von den größeren Städten des Landes lagen und auch eine noch handhabbare Größe hatten.


Zunächst kümmerten wir uns um das Überleben, später entschieden wir uns für längerfristige Hilfen. Wir hielten „jirgas“ ab, das sind Versammlungen mit den Dorfbewohnern, um auch sie in unsere Hilfen einzubinden und ihnen ein Gefühl der Mitbestimmung zu geben. So konnten wir eine Übereinstimmung erzielen über eine zu bauende Hochwasserschutzmauer, über das Bohren von Brunnen und die Aufbereitung von sauberem Trinkwasser.


Einige dieser Projekte konnten bereits erfolgreich beendet werden. Der Wall aus Steinen und Drahtgeflecht wurde vor dem Ort Turlandi gebaut. Er schützt auch drei weitere Dörfer in der Nähe. Trinkwasser-Reinigungsanlagen PAUL wurden in jedem Dorf aufgestellt. Ein Brunnen wurde in Sanghar gebohrt, und durch ihn konnten wir sogar Wasserleitungen zu allen 52 Häusern dieses Dorfes legen. Bisher gab es nur einen Brunnen im Dorf. Jetzt verfügen alle Häuser das erste Mal über fließendes Wasser. Dinge, die wir für selbstverständlich halten, wie fließendes Wasser, sind in vielen Teilen der Welt absoluter Luxus. Es war wunderbar, die Freude der Kinder und besonders der Frauen zu sehen, die bisher das Wasser auf ihren Köpfen von ihrem einzigen Brunnen nach Hause tragen mußten.


Der von uns gebaute Brunnen ist so ergiebig, daß wir auch noch Wasser zu den angrenzenden kleinen Dörfern leiten können. Rohre und Wasserhähne haben wir ebenfalls beigesteuert.

Bei den Projekten achten wir darauf, daß die Dorfbewohner gegen eine Entlohnung mitarbeiten und viele Aufgaben selbst erledigen. Wir sorgen für das Baumaterial, bezahlen ihren täglichen Lohn und überwachen die Bauarbeiten.


Wir besuchten „unsere Dörfer“ immer wieder, und bald waren uns die Menschen mit ihren Gesichtern vertraut. Jedes Mal, wenn sie Mitarbeiter der Humanity Care Stiftung sahen, strömte das ganze Dorf zusammen. Wir vertieften unsere Freundschaft, und es entwickelte sich ein ungewöhnliches Vertrauen zu uns. Das allein gab ihnen schon Hoffnung und Mut.


Unsere Freunde haben auch wieder neue Zuversicht gewonnen. Sie nehmen ihre Zukunft jetzt in ihre eigenen Hände, auch weil sie Freunde und Helfer aus so einem weit entfernten Land wie Deutschland gewonnen haben – ein Land, das sie nie gesehen haben, auch zukünftig nie sehen werden und dessen Sprache sie nicht verstehen. Aber Lächeln und gute Taten benötigen keine Sprache. Sie fühlen sich nicht mehr hilflos und vergessen. Sie fühlen sich reich im Herzen.


In Erinnerung ist mir auch das Bild einer alten Frau, der wir Bettzeug und ein Kissen gaben. Sie war überwältigt und sagte uns, sie hätte nie zuvor in ihrem Leben brauchbares Bettzeug besessen. Sie hatte auf einer Matte geschlafen und zerschlissene Decken zum Zudecken benutzt.


Kein Wunder, daß die Menschen im entfernten Swattal auf den Straßen tanzten – und die Mitarbeiter der Humanity Care Stiftung mit ihnen. Dies war ein Tag der Freude!


Nigi

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