Die Katastrophe beginnt jetzt erst

Halb Pakistan steht unter Wasser, neue Regenfälle erwartet

Münster (the). „Viele Menschen in den Flutgebieten haben nichts mehr außer dem nassen Hemd, das sie tragen.“ Folker Flasse aus Münster ist zwar jetzt nicht selbst in Pakistan gewesen, seit die Katastrophe begonnen hat. Mit der von ihm geleiteten Humanity Care Stiftung (HCS) ist er jedoch seit Jahren in dem Land aktiv – und auch jetzt helfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Organisation Betroffenen.


Ärzte und Pfleger der von der Stiftung unterstützen Krankenhäuser, Geschäftsleute und Freunde seien mit Geländewagen bereits zweimal in Dörfer im Nordwesten des Landes gefahren, die noch gar keine Unterstützung von außen bekommen hatten. Sie verteilten Grundnahrungsmittel, Trinkwasser in Flaschen, Gaskocher, Kleidung und Schuhe. „Unsere Leute haben sich jeweils an den Bürgermeister und die örtliche Polizei gewandt, die dafür gesorgt haben, dass es bei der Verteilung kein Chaos gab“, sagt Flasse. Die Not ist groß: „Die Leute haben alle Häuser verloren und hatten seit Tagen nichts zu essen.“


Die Wassermassen hätten selbst Backsteinbauten weggespült, und Lehmhäuser, wie sie vor allem in den Flüchtlingslagern an der Grenze zu Afghanistan standen, hätten sich „aufgelöst wie Zucker im Kaffee“. Aus der Luft sei wegen des schlechten Wetters vielerorts kaum eine Unterstützung möglich. Und auch die großen Hilfsorganisationen können nicht in jeder Region helfen, sagt Flasse. Eine kleine Organisation wie die HCS könne zudem schneller reagieren, und die einheimischen Mitarbeiter kennen sich gut aus.


Bislang hat die Stiftung „nur“ Geld nach Pakistan überwiesen, um die Hilfskonvois zu finanzieren – laut Flasse einen fünfstelligen Betrag seit Beginn der Flut. Ab nächster Woche wolle er Hillfsgüter wie Zelte, Isomatten und Decken, aber auch haltbare Lebensmittel und Medikamente sammeln. Diese sollen in etwa zwei Wochen nach Pakistan geflogen werden. In einer dritten Phase ist geplant, medizinische Geräte und Hilfsmittel wie Rollstühle auf dem Seeweg zu schicken.
Die Glocke, 13. August 2010)