Münsteraner haben viel für die Erdbebenopfer in Pakistan gespendet

Humanity Care Stiftung bringt Hilfsgüter im Wert von über drei Millionen Euro ins Erdbebengebiet Geldspenden für weitere Transporte wichtig


Von Tobias Schreiter


Münster - Folker Flasse dankt der Münsteraner Bevölkerung. Seit dem katastrophalen Erdbeben in Pakistan am 8. Oktober des vergangenen Jahres, in dem mehr als 80.000 Menschen umkamen, haben der Präsident der Humanity Care Stiftung und seine Partner Hilfsgüter von mehr als 60 Tonnen in die betroffenen Krisenregionen gebracht. Ein Großteil dieser Spenden kommt aus Münster und dem Münsterland: Medikamente, Zelte, Decken, Schlafsäcke und warme Bekleidung.


Doch die Hilfe reicht noch lange nicht aus. 3,5 Millionen Menschen sind seit dem Erdbeben obdachlos und kämpfen im gegenwärtig harten Winter im Kaschmir ums Überleben. „Wir brauchen insbesondere Geldspenden, um die Hilfsgüter nach Pakistan bringen zu können“, so Flasse. „Die bisherigen Spendengelder sind fast komplett für die Lufttransporte nach Pakistan draufgegangen.“


Die Unterstützerliste der Humanity Care Stiftung in Münster ist lang: Alle vier Rotary Clubs aus Münster und die Clubs aus Greven und Telgte haben Bekleidung und Geld gespendet, Schulen und Studentenwohnheime haben Geld gesammelt, die Kinderhilfe Münster e.V. hat Mittel für Kleidung zur Verfügung gestellt. Auch Privatpersonen engagieren sich. Ute Elpers, Geschäftsführerin des Porzellanmuseum Münster, zeichnet Grafiken von historischen pakistanischen Gebäuden, die derzeit im AWO-Treff Wolbeck und bald im Deutschen Bundestag ausgestellt werden sollen. Abzüge der Kunstwerke und Postkarten sollen demnächst verkauft werden. Mit den Einnahmen soll der Wiederaufbau der Erdbebenregion unterstützt werden. Zudem bekam Flasse medizinisches Gerät und Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika und Impfstoffe, von Kliniken, Apotheken und Ärzten. Auch logistisch erhielt Flasse Hilfe: Einige Speditionen lagerten die gesammelten Hilfsgüter kostenlos und brachten sie zum Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) oder übernahmen die Frachtkosten für zwei Sendungen.


Doch wie kommen die Hilfsgüter vom FMO in die Zeltsiedlungen, die im zerstörten Kaschmir für die Überlebenden errichtet wurden? In der Halle der FMO Cargo werden die in Kartons verpackten Hilfsgüter auf Europaletten oder in Air-Container verladen. Danach beginnt die Suche nach dem preiswertesten Frachttarif. Fluggesellschaften, die nach Pakistan fliegen, bieten Frachtraum an. Für diesen benennen sie einen Preis pro Kilogramm. Mitarbeiter der FMO Cargo haben die Möglichkeit, diese Preise in ihren Computern einzusehen und buchen dann bei einer der Fluggesellschaften, die auch Frachtraum frei haben. So kommen die Hilfslieferungen nach Pakistan - zum Flughafen in der Hauptstadt Islamabad oder nach Lahore. Flasses pakistanische Partnerorganisationen erhalten in der Zwischenzeit Bescheid, mit welchem Flieger welche Hilfsgüter nach Pakistan kommen und holen diese dann am Flughafen ab. Von dort aus werden die Hilfsgüter per LKW und Jeep in die schwer zugänglichen Erdbebengebiete gebracht. Überdies helfen die deutschen Heeresflieger mit ihren vier schweren Transporthubschraubern.


Im Vergleich zu größeren Hilfsorganisationen hat die Humanity Care Stiftung kaum Verwaltungsausgaben. Das bedeutet, dass jeder gespendete Euro direkt für die Hilfe der Bedürftigen eingesetzt wird. „Reisekosten, Telefongespräche und sogar Briefmarken haben wir bisher aus unseren privaten Geldbeuteln bezahlt“, so Flasse, der bereits selbst das Erdbebengebiet und die Zeltsiedlungen für Überlebende besucht hat (die MZ berichtete).


Im Frühjahr soll die zweite Phase der Erdbebenhilfe beginnen. Während im harten Winter das Überleben der Menschen im Vordergrund stand, soll nach der Schneeschmelze Anfang April der Wiederaufbau der Infrastruktur in Angriff genommen werden. Fast alle Straßen, Häuser, Schulen, und Versorgungseinrichtungen wurden am 8. Oktober binnen weniger Sekunden zerstört. Die Humanity Care Stiftung will dann den Aufbau von Schulen, Sanitätsstationen und Lehrwerkstätten unterstützen, kündigt Folker Flasse an und bittet um Geldspenden. Spendenkonto: Volksbank Münster, Konto 523 838 400 , BLZ 401 600 50


2. Februar 2006